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Konzept der gebundenen Ganztagsschule

Einleitende Worte

 

Die Gorch-Fock-Schule ist seit Sommer 2011 eine gebundene Ganztagsschule. Eine gebundene Ganztagsschule bietet vielfältige Gelegenheiten Räume neu zu erfinden und alte Räume neu zu denken. Kooperationen mit außerschulischen Lernpartnern und anderen pädagogischen Disziplinen bieten Ansätze für ein interdisziplinäres Arbeiten im Unterricht und ein anderes Lernen in Projekten am Vor- als auch am Nachmittag. Außerunterrichtliche Angebote und Unterricht können in der gebundenen Ganztagschule verzahnt sowie Lerngruppen neu strukturiert (jahrgangsübergreifend) werden. Der flexiblere Umgang mit Bildungsinhalten kann zu einer neuen Lernkultur führen – und Lernkultur ist ein Teil der Schulentwicklung (vgl. Kahl 2010, S. 4). An einer modernen Lernkultur mit einem individualisierten, schülerzentrierten Unterricht und der Verzahnung mit Angeboten im Ganztag arbeitet das pädagogische Personal der Gorch-Fock-Schule im Team – aus der Überzeugung heraus, dass ein Team mehr ist als die Summe der Einzelleistungen und die Kompetenzen der Pädagoginnen und Pädagogen entfaltet. Teamarbeit bietet weiterhin kooperative Gestaltungsmöglichkeiten der Ganztagsschule und heißt auch gemeinsam Verantwortung übernehmen für unsere Schülerinnen und Schüler. Gelingensbedingungen von Teamarbeit sind feste Strukturen in Bezug auf Teamzeiten, Kommunikation, Teammitglieder, Schaffung von Verbindlichkeiten und vieles mehr. Aus diesem Grund ist Teamarbeit ein Aspekt des Konzeptes der Ganztagschule an der Gorch-Fock-Schule und trägt zur Professionalisierung des pädagogischen Personals bei. Unser Teamkonzept wurde im Jahr 2012 durch eine festgelegte Teamzeit der Erzieherinnen und Erzieher und der Lehrerinnen und Lehrer mit dem Ziel der Verzahnung der Lernzeit erweitert. Im Team planen wir die integrative Förderung und Forderung unserer Schülerinnen und Schüler über den ganzen Tag, legen Förderziele fest und stimmen diese mit den Kindern, Eltern und mit dem Zentrum für unterstützende Pädagogik ab. Diese ersten Schritte auf dem Weg zur Inklusion sind in unserem Konzept der inklusiven (integrativen) Ganztagsschule dokumentiert.

Ein Qualitätskriterium für Ganztagsschulen ist im Vergleich zu Halbtagsschulen die veränderte Möglichkeit des Umgangs mit Zeit und bedeutet im Grunde „mehr Zeit für die Kinder“ zu haben. Das erweiterte schulische Zeitraster einer Ganztagsschule bildet dabei den Sockel (vgl. Hildebrandt-Stramann 2006). Entscheidend ist der Umgang mit der Zeit: „also Zeit haben, Zeit investieren, die richtige Zeit erspüren, Zeit nicht verschenken, aber auch zeitliche Verplanungseffekte vermeiden“ (Appel 2005, S. 73). Die Rhythmisierung der Schulzeit unter verschiedenen Gesichtspunkten ist dabei eine Form des Umgangs mit Zeit (vgl. Burk, 2006, S. 35). Ein Rhythmus meint einen „periodischen Wechsel natürlicher Vorgänge“ und bedeutet in der Ganztagsschule beispielsweise den Wechsel von Anspannung und Entspannung. Das erarbeitete Konzept der Rhythmisierung stellt einen verantwortungsvollen Umgang mit der Zeit sicher und liefert den verlässlichen Rahmen für das Ganztagschulprogramm. Innerhalb eines Schultages nehmen die Kinder an Unterricht und herausfordernden Ganztagsprojekten teil. Zur Bewältigung dieser Aufgaben benötigen die Schülerinnen und Schüler längere Pausen zum Kraft schöpfen und ein entspanntes Mittagessen. Jeder Mensch braucht zur Entspannung unterschiedliche Aktivitäten wie Ruhephasen, Bewegung, sich mit Freunden treffen, Lesen usw. Um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder zu entsprechen als auch die Mittagszeit zu strukturieren, wurde das Mittagskonzept mit Bedingungen für die Essenszeit und der „Was ihr wollt-Zeit“ entwickelt.

Soziales Lernen ist eine Hauptaufgabe in der Ganztagsschule. Unsere Schülerinnen und Schüler sollen für das Leben lernen und wir wollen sie dabei unterstützen. Dieser Aufgabe dienen Lernzeit und Erziehung gleichermaßen und soziales Lernen verfolgt dabei die Funktion, die Schülerinnen und Schüler auf das Leben vorzubereiten (vgl. Edelstein 2005). Zu dem Umgang miteinander gehören auch Regeln, die innerhalb des Ganztagsbetriebes einen neuen Stellenwert einnehmen und neu gedacht werden müssen. Die Überlegungen der Gorch-Fock-Schule münden in das „Gorch-Fock-Buch“, welches das gesamte pädagogische Personal als auch die Eltern gleichermaßen informiert über die geltenden Regeln, Rituale und Absprachen und alle in die Verantwortung für ein gutes Schulklima einbezieht. Die Schulsozialarbeit spielt weiterhin eine wichtige Rolle für ein gutes Schulklima sowie eine gute Lernatmosphäre. Kinder mit sozial-emotionalen Entwicklungs-verzögerungen benötigen Unterstützung im Unterricht, in den Pausen als auch in den Projekten zur erfolgreichen Bewältigung dieser für sie sehr herausfordernden Aufgaben. Wir bieten präventive Maßnahmen, persönliche Unterstützung, Sozialtraining in den Klassen als auch Beratung an. Darüber hinaus nehmen wir die Kinder in die Verantwortung und so werden jährlich Schülerinnen und Schüler als Streitschlichter ausgebildet. In den Pausen und in der Lernzeit klären diese Kinder Konflikte ihrer Schulkameraden mithilfe eines Leitfadens und treffen Absprachen zur Vermeidung weiterer Auseinandersetzungen.

Die bloße Verlängerung der Schulzeit bedeutet nicht zwangsläufig eine neue Qualität von Schule (vgl. Oelkers 2010). Die Qualität von Unterricht und der Angebote sowie deren Verzahnung stellen dabei wichtige Faktoren dar (vgl. SteG 2010). Unser Hauptaugenmerk widmen wir dabei dem Lesen – als Kernkompetenz für ein lebenslanges Lernen- und mündet in unser Lesekonzept.

Die oben genannten Konzepte beinhalten Formen der Evaluation, mit dem Ziel, sich mit dem Qualitätsgedanken auseinander zu setzen und den Blick der Akteure für qualitätsrelevante Bereiche zu sensibilisieren. Dahinter steht die Grundannahme, dass sich die Qualität an Schule nur weiterentwickelt, wenn die in Schule wirkenden Menschen ihre eigene Arbeit näher betrachten und reflektieren als auch eine positive Einstellung zur Selbstevaluation und somit eine selbstkritische Perspektive einnehmen. Darüber und aus der täglichen Arbeit ergeben sich neue Entwicklungsschwerpunkte auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur an der Gorch-Fock-Schule.

Stefanie Polzer-Pupel, überarbeitet am 01.12.13

Quellenangaben:

Appel, S. (2005): Handbuch Ganztagsschule. 5. Auflage. Schwalbach/Ts: Wochenschau.

 

Burk, K. (2006). Zeit und Rhythmus in der Ganztagsschule, in: K. Burk & H. Deckert-

Peaceman (Hrsg.), Auf dem Weg zur Ganztags-Grundschule (S. 28-42). Frankfurt

am Main: Grundschulverband.

 

Edelstein, W. (2005): Demokratie lernen und leben, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, www.ganztägig-lernen.org

 

Hildebrandt-Stramann, Dr. R. (2006): Mehr Zeit für Kinder, Hannover, www.ganztägig-lernen.org

 

Kahl, H.  (2010): Zeit für eine neue Lernkultur, in: bildungspezial 3/2010, Seelze.

 

Oelkers, Prof. Dr. J. (2010): Die besondere Qualität von Ganztagsschulen, www.ganztägig-lernen.org

 

StEG-Konsortium (Hrsg.) 2010: Ganztagsschule: Entwicklungen und Wirkungen – Ergebnisse der Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen 2005-2010, Frankfurt am Main.